CHINA 2006

Online Reisebericht China und Hongkong

5. Mai - Die "Langnasen" besuchen die Verbotene Stadt

Was sind "Langnasen"..? Na wir natürlich, wobei Langnasen kein Schimpfwort sondern liebevoll gemeint ist. Wir haben es schon gestern einige Male bemerkt, wir werden bestaunt, nicht von allen - aber von einigen. Wie gesagt, es ist Feiertagswoche und da kommen viele Leute vom Land auf Kurzbesuch um die grosse Mauer oder die verbotene Stadt zu besichtigen . Viele von ihnen haben noch nie in ihrem Leben diese "Langnasen" gesehen, ausser vielleicht im Fernsehen. So werden wir in gewisser Weise zur Attraktion - wie gesagt nicht für alle, sondern für einige. Ein Chinese fragt uns sogar (mit Handzeichen natürlich), ob er sich mit uns fotografieren lassen darf. Wahrscheinlich wird er das Foto dann später stolz in seinem Dorf präsentieren und sagen, er habe - echt und leibhaftig und LIVE - eine Langnase gesehen.

Dann gibts noch was lustiges: die "Hallo-Leute" (von unserem Reiseführer werden sie so genannt). Wer sind nun diese "Hallo Leute"? Um das herauszufinden steigt man am Besten mit einer Reisegruppe aus einem Bus aus - und da sind sie schon... Hallo, hallo- Rolex, Hallo, hallo Gucci, Hallo, hallo 500 Yuan, hallo, hallo 1 Dollar, hallo, hallo, looki-looki. Sie zupfen und zerren und laufen einem nach, um Souvenirs, Rolex, oder "Markentaschen" an den Mann - oder die Frau - zu bringen.   Diese "Hallo-Leute" sind nicht gefährlich, aber man sollte - FALLS man etwas kauft - das Geld immer genau hergeben. Denn es soll schon mal vorgekommen sein, dass man Falschgeld als Wechselgeld herausbekommen hat.

Heute ist strahlend schöner Sonnenschein, die Luft ist klarer, keine Spur mehr vom gelblichen "Nebel". 

Heute um 9 Uhr ist Treffpunkt in der Lobby, wir wurden alle um 6h30 telefonisch geweckt, dann erst mal das Frühstück.... diesmal nicht chinesisch. Es gibt alles, was man sich denken kann, von der Pizza angefangen, über Eier, Speck, Früchte, Schinken usw. usw.

So gestärkt wird der Bus bestiegen und es geht gleich zum "Platz des himmlischen Friedens", der als grösster Platz der Welt gilt - eine Million Menschen finden hier Platz. Menschenmassen wohin man sieht, viele "Hallo Leute" und an einem Ende des Platzes der Eingang zur "Verbotenen Stadt" wo der Kaiser mit der Kaiserin und seinen 3000 Konkubinen seinen Sitz hatte. Am anderen Ende des Platzes das Mao-Mausoleum, wo der Leichnam von Mao noch heute einbalsamiert in einem Glassarg zum Besichtigen ist.

Menschen über Menschen, es dürfte mittlerweile um die 30 Grad haben und kein Regen in Sicht (der an und für sich angesagt war..). So gehts dann rein in die "Verbotene Stadt" bis direkt zum Kaiserpalast, der momentan restauriert wird. Von den fünf Toren, die zum Palast führen durfte ausschliesslich der Kaiser das Mittlere benutzen. Und jetzt natürlich auch wir, die Langnasen.... 

Interessant auf jedem Dach die Figuren - "Schutzgeister" die über jedes Bauwerk wachen, je wichtiger das Gebäude, desto mehr Figuren. Den Kaiserpalast - die "Halle der höchsten Harmonie" bewachen auf diese Weise 11 Figuren. Wobei die Anzahl der Figuren auch bei den anderen Gebäuden immer ungerade ist. Es gibt übrigens eine Schutzfigur gegen böse Beamte (ob die gegen Schnellfahren auch hilft..?) 9999 Räume hatte der Kaiser für sich, sowie 3.000 Konkubinen, die allesamt Geschenke von Beamten oder Freunden waren.

Es gibt dann noch die "Halle der inneren Harmonie" -  und das ist in China die Toilette (ja - ist kein Witz) . Hier in der verbotenen Stadt gibt es lt. unserem Reiseführer sogar eine 4-Stern Toilette.... wieso diese aber 4 Sterne erhalten hat, weiss ich allerdings nicht. Erstens besteht die Toilette nur aus einer in den Boden eingelassenen Schüssel und zweitens stinkt es hier gotterbärmlich. Aber sie hat 4 Sterne....

Im Gegensatz dazu sind in den Restaurants (jedenfalls, dort wo wir bisher waren) immer Toiletten im europäischen Stil (sprich "Sitz - WCs"). Das Gleiche gilt natürlich auch für die Hotels (unser Best Western Hotel in Peking ist übrigens Spitzenklasse).

Platz des Himmlischen Friedens

Vor dem Mao -Mausoleum

 

Vor der Verbotenen Stadt

 

   

In der Verbotenen Stadt

 

 

 

Oben: vor der "Halle der Höchsten Harmonie" - Kaiserpalast (wird gerade restauriert)

 

Wieder aber zurück zur verbotenen Stadt.... Nach der Besichtigung - ständig von Menschenmassen umgeben - gehts wieder zum Bus. Und da der Schock: wir haben jemand verloren, bzw. eine Mitreisende hat ihren Mann verloren. Es ist natürlich aussichtslos, bei dieser Menschenansammlung nach einer Einzelperson zu suchen. Schon vorbeugend hat uns Cheng - unser Reiseführer - geraten, ständig ein Kärtchen mit dem  Hotelnamen auf chinesisch bei uns zu haben. Was also tun - man versucht den Mann bei seinem Handy zu erreichen - leider auch ohne Erfolg. Kurti meint, wenn ER verloren gegangen wäre, hätte er gar nichts bei sich gehabt, weil immer alles in meiner Tasche ist und wahrscheinlich wäre er irgendwo herumgeirrt und irgendwann in der Mongolei herausgekommen.

Der Reiseleiter meint, der Mann sei bestimmt schon auf dem Weg ins Hotel - und er sollte damit auch Recht behalten... Jedenfalls fahren wir mal zum Mittagessen - wieder in ein Chinesisches Restaurant, wieder HERVORRAGEND!! Und das mir, wo ich so heikel bin. Das Gemüse und der Reis sind SPITZENMÄSSIG, das Fleisch gut gewürzt - nur die Suppe ist wieder mal ein Reinfall. Und ich hatte vor Reiseantritt gedacht, wir werden immer im Hotel verpflegt. Wie gut, dass es nicht so ist. Es ist wirklich eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. UND - wie wir immer wieder hören, das Essen hier ist absolut NICHT mit den Chinesischen Restaurants bei  uns vergleichbar.

Unser Mittagessen in einem Chinarestaurant

Nach dem Essen werden wir mit dem Bus in die Altstadt Pekings geführt, dann wird in Rikschas umgestiegen. In rasantem Tempo gehts durch die schmalen, alten Gassen Beijings. Ein Wort zur Verkehrslage: hier fährt jeder wie er will, für uns Europäer wirkt der Verkehr etwas chaotisch. Ausserdem schaut keiner obs rot oder grün ist, oder ob ein Fussgänger am Zebrastreifen stehend BEI GRÜN die Strasse überqueren will. Hier zählt scheinbar das Recht des Mutigen oder des Stärkeren und die stärkeren sind nun mal die Autos. Also heisst es SCHAUEN und LAUFEN - am Besten so schnell man kann. Weil hier bleibt selten ein Autofahrer stehen, selbst wenn man bei GRÜN mitten am Zebrastreifen dahinläuft.

Fahrt mit der Rikscha durch die Altstadt von Beijing

Altstadt von Beijing

Wir haben heute sehr viel gesehen, aber noch nicht alles. Am Abend besuchen wir die Shaolin -Kung Fu Show. Wir sehen atemberaubende Darbietungen der Mönche, das geht von Eisenstangen am Kopf zerschmettern, am Nagelbrett liegen, bis zu unglaublichen Leistungen in Bezug auf Körperbeherrschung. Absolut SEHENSWERT!

Shaolin - Kung Fu Show

Zurück im Hotel besuchen wir das Hoteleigene Restaurant (da heute ja kein Abendessen am Reiseprogramm steht). Ich nehme Spaghetti Bolognaise, Kurti ein belegtes Sandwich mit Pommes. Die Spaghetti sehen vorzüglich aus... ABER - sie schmecken, als ob ein Zuckertopf hineingefallen wäre. Nicht mal Kurti mag sie, und das WILL WAS HEISSEN! Absolut grausig. Aber das kommt davon, wenn man in China was italienisches essen will....

Hier gehts weiter.....